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Der Weg zur "Kur"

Wie komme ich zu einer Kur?

Eine Kur bzw. Rehabilitationsmaßnahme kann jeder beantragen, der sich um seine Gesundheit sorgt und etwas für ihre Erhaltung tun möchte. Entscheidend für den Erfolg einer Kur ist es, sie in der richtigen Phase des Krankheitsverlaufs in die Behandlung zu integrieren.
Nach dem Sozialgesetzbuch können Versicherte bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse erforderliche ambulante Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten (vgl. SGB V § 23,2), stationäre Vorsorgeleistungen (vgl. SGB V § 23, 4) oder ambulante und stationäre Rehabilitationsleistungen beantragen (vgl. SGB V § 40; SGB VI § 9).

1. Der Arzt / Die Ärztin

Es ist Sache des/r behandelnden Arztes/Ärztin, die Dringlichkeit einer Kur zu bescheinigen oder eine Kur oder sogar einen geeigneten Kurort bzw. eine -einrichtung zu empfehlen. (Die Rentenversicherungen entscheiden selbst.) Auch der Betriebsarzt oder der Vertrauensarzt können eine Kur ein die Wege leiten. Je nach Schwere des Krankheitszustandes wird Ihnen Ihr Arzt eine ambulante oder stationäre Kur empfehlen. Beide Kurformen dauern in der Regel drei Wochen.

2. Die gesetzliche Krankenkasse

Die Krankenkasse ist immer Ihr Ansprechpartner, ob die Kur von der Krankenkasse oder von der Rentenversicherung getragen werden soll. Dort erhalten Sie alle notwendigen Auskünfte und auch die Antragsformulare. Beihilfeberechtigte wenden sich an ihre Beihilfestelle.

3. Amtliche Begutachtung der Notwendigkeit einer Kur

Bevor eine beantragte Kur durch einen Sozialleistungsträger bewilligt werden kann, ist grundsätzlich stets eine Überprüfung der Notwendigkeit der Maßnahme durch eine neutrale ärztliche Institution vorgeschrieben (Medizinischer Dienst, Amtsarzt, o.a.). Vielfach erfolgt die Begutachtung aufgrund der vorliegenden Krankenakten auf schriftlichem Wege. Es kann jedoch auch eine körperliche Untersuchung angeordnet werden.

4. Wer trägt die Kosten?

Sie können jederzeit auf eigene Kosten zur Kur fahren. Wenn die Kur medizinisch notwendig geworden ist, gibt es innerhalb des gegliederten Systems unserer Sozialversicherung und nach dem Beamtenrecht nach wie vor die Möglichkeit, die Kosten von einem der Leistungsträger ganz oder teilweise ersetzt zu bekommen. Zuständig ist:

  1. für den, der krankenversichert ist, sowie in der Regel für Rentner, Hausfrauen und Kinder, die selbst oder als Familienmitglied krankenversichert sind = gesetzliche Krankenkasse
  2. für den, der rentenversichert ist oder es eine bestimmt Zeit lang war = gesetzliche Rentenversicherung
  3. für den, der weder rentenversichert noch krankenversichert ist und nach dem Sozialhilfegesetz als bedürftig gilt = Sozialamt
  4. nach einem Arbeitsunfall (einschließlich Wegeunfall, auch bei Schul- und Kindergartenbesuch) = Unfallversicherungsträger, Berufsgenossenschaften
  5. für Kriegs- und Wehrdienstbeschädigte, Opfer von Gewalt = Versorgungsamt
  6. für Angehörige des öffentlichen Dienstes (soweit kein Anspruch nach a, b, d oder e besteht) = Beihilfestelle
  7. bei ungeklärter Zuständigkeit = Hauptfürsorgestelle, überörtlicher Rehabilitationsträger (z.B. Landschaftsverband)

5. Gesetzliche Einschränkungen

Für die Gewährung von Kuren gilt eine Reihe von gesetzlichen Beschränkungen. Die wichtigsten sind:
In der Rentenversicherung ist die Bewilligung von Heilverfahren davon abhängig, dass der Versicherte eine bestimmte Versicherungszeit nachweisen kann. Ferne können Kuren höchstens bis zum 63. Lebensjahr in Anspruch genommen werden, es sei denn, dass der Krankheitszustand des Rentenversicherten bei vorliegender Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit voraussichtlich gebessert oder aber, wenn er noch im Berufsleben steht, eine unmittelbar drohende Erwerbsunfähigkeit durch die Maßnahme abgewendet werden kann. Ferner endet im Normalfall mit dem Beziehen von Altersrente, aber auch schon im "Vorruhestand" der Anspruch auf Gewährung einer Kur durch die zuständige Rentenversicherung. In diesem Fall erbringt die Krankenkasse entsprechende Leistungen.
Bei allen Kuren, bei denen eine Kostenübernahme oder ein Zuschuss aus Kassen öffentlich-rechtlicher Leistungsträger gewährleistet wird, gilt, dass eine Wiederholungskur erst nach Ablauf von drei Jahren bewilligt werden kann, es sei denn, dass eine vorzeitige Wiederholung oder eine Kur wegen einer anderen Krankheit aus dringenden medizinischen Gründen erforderlich ist.

6. Ambulante Vorsorge- oder Rehabilitationskur

Bei dieser Kurform (früher: "Offene Badekur", jetzt nach Sozialgesetzbuch V §23,2 "Ambulante Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten") können Sie Kurort und Unterkunft im Einvernehmen mit Ihrem Arzt weitgehend frei wählen. Die Krankenkasse übernimmt die vollen Kosten der ärztlichen Behandlung und 90 Prozent der Kurmittelkosten. Zu den übrigen Kosten (Unterkunft, Verpflegung, Kurtaxe, Fahrtkosten) kann die Krankenkasse einen pauschalen Zuschuss bis zu höchstens 13 € pro Tag gewähren. Bei den ambulanten Rehabilitationseinrichtungen in stationären oder wohnortnahen Rehabilitationseinrichtungen (§40,1 SGB V) empfiehlt die Krankenkasse dem Patienten eine Vertragseinrichtung und übernimmt die vollen Kosten für Arzt und Heilmittel. Allerdings muss sich der Patient mit 9 € pro Kurtag an den Kosten selbst beteiligen. Eine besondere Form der ambulanten Kur ist die Kompaktkur. Sie wird indikationsabhängig in bestimmten Kurorten durchgeführt. Es werden Gruppen von jeweils bis zu 15 Teilnehmern zusammengestellt, für die ein besonders intensives Behandlungsprogramm mit einem festen Stundenplan vorgesehen ist.

7. Der Kurarzt

Bei einer ambulanten Kur müssen Sie sich vor Ort zuerst an einen der ortsansässigen Kurärzte wenden. Sie sind aufgrund ihrer jahrelangen, einschlägigen Erfahrungen mit der Wirksamkeit der ortsspezifischen Kurmittel in der Lage, nach Beurteilung des Kurgastes und dessen Gesundheitszustandes einen entsprechenden Kurbehandlungsplan mit allen in Frage kommenden Anwendungen aufzustellen, um den bestmöglichen Erfolg zu erreichen.

8. Stationäre Vorsorge- oder Rehabilitationskur; Stationäre Anschluss-Rehabilitation

Reichen ambulante Vorsorge- oder Rehabilitationsleistungen nicht aus, dann kann die Krankenkasse bzw. der sonst zuständige Sozialleistungsträger eine stationäre Behandlung mit Unterkunft und Verpflegung in einer Einrichtung bewilligen (§§23,4; 40,2 SGB V), mit denen ein Versorgungsvertrag besteht (§111SGB V). Hierbei werden grundsätzlich die gesamten Kosten übernommen, jedoch ist pro Kurtag eine Selbstbeteiligung von 9 € zu leisten. Schließt sich eine Heilmaßnahme unmittelbar an einen Krankenhausaufenthalt an (stationäre Anschluss-Rehabilitation), so müssen Versicherte über 18 Jahren die vorgenannte Selbstbeteiligung für längstens 14 Tage erbringen, wobei die Zuzahlungen, die im Kalenderjahr bereits an eine andere Krankenanstalt geleistet worden sind, angerechnet werden. Die Heilverfahren sind grundsätzlich auf drei Wochen begrenzt, und die Wiederholung einer Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme ist in der Regel frühestens nach vier Jahren möglich. Es gibt gesetzlich prinzipiell vorgesehene sowie individuell medizinisch begründete Ausnahmen, über die Sie Ihre Krankenkasse informiert.


Weitere Informationen erhalten Sie auf der Seite des Deutschen Heilbäderverband e.V..